Baugeschichte
Über die Errichtung des Schlosses im Mittelalter sind keine direkten Quellen vorhanden, Beschreibungen aus dem 16.-18. Jahrhundert geben jedoch Hinweise auf frühere Bausphasen. Es wurden keinerlei bildliche Darstellungen oder Bauinschriften am Schloss selbst gefunden, so kann nur anhand der Bauelemente und Dekorformen eine Zuordnung zu den jeweiligen Baustilen getroffen werden. Ebenfalls aufschlussreich ist auch die Lage der Bauparzelle im Ort sowie deren Form. Ein wesentliches Merkmal eines adeligen Besitzes ist die Wehrhaftigkeit, was in Rossatz ein Problem darstellte, da hier die Voraussetzungen für die Errichtung einer Burg fehlten. Neuzeitliche Texte berichten jedoch häufig von einem „Turm“, der das Schlossdach überragte und mit einer Uhr geziert war. Dieser Turm soll sich über dem Haupteingangstor oder in der Nordwest-Ecke befunden haben. Bedeutende Mauerstärken sowie erhaltene Gewölbeformen sprechen für diese Vermutungen.
Die spätmittelalterliche Entstehungszeit des Schlosses bezeugt das gotische Zwickelmauerwerk. Die Art des Mauerwerks spricht dafür, dass das Gebäude im Mittelalter ein Obergeschoss aufwies und so die einstöckigen Gehöfte der Untertanen überragte.
Die bescheidene Gesamtbreite der Bauparzelle von Rossatz, die etwa dem Doppelten eines Hauergehöfts entsprach, spricht für die bescheidenen Anfänge der Herrschaft. Nur der Erwerb von angrenzenden Anwesen ermöglichte eine Vergrößerung des Herrschaftssitzes.
Die Anfänge der Neuzeit brachten eine große Wende in der Gestaltung der adeligen Sitze. Die Burgen wurden mit entweder modernen Bastionen ausgerüstet um sich gegen Feuerwaffen zu schützen, oder sie verloren als Wehrbauten gänzlich ihre Bedeutung und wurden als Schlösser der Renaissance entsprechend umgebaut. Auch aus Rossatz entwickelte sich ein Schlossbau. 1552 wird erstmals das so genannte „Herrenhaus“ genannt, 1580 der „Keller, Presse, Stadel, Ställe, Gärtel“. Auch der Renaissance-Arkadenbau wurde in dieser Zeit erstmals erwähnt.
Im 16. Jh. erfolgte durch Hans Christoph von Geymann der Umbau von Rossatz zu einem Renaissanceschloss. Der Nordtrakt wurde nach Osten erweitert, das Untergeschoss des Gebäudes erhob sich auf einer Balustrade toskanischer Säulen, verbunden durch einen Rundbogen und Kreuzgradgewölbe. Außerdem wurde der Arkadengang mit Malereien verziert. Dadurch sollte der Wohnbereich der Herrschaftsfamilie hervorgehoben werden, wofür zusätzlich die Tram- und Gewölbedecken, die Steinrahmungen der Fenster, das steingerahmte Rundbogentor sprechen.
Aufgrund eines Großbrandes im Jahre 1626 musste das Dach des Schlosses neu errichtet werden. Eine Beschreibung aus dem Jahr 1657 schildert erstmals ein genaueres Bild des Schlosses, welches hier als herrschaftliche Wohnstätte und Gutsverwaltung beschrieben wird. Es sollte sich nur durch Größe und entsprechender Luxuseinrichtungen von den Gebäuden der Untertanen unterscheiden.
1675/76 wurde ein großer Speicher errichtet, wodurch das Wirtschaftsgebäude umgruppiert werden musste und infolge dessen eine Generalsanierung des Schlosses durchgeführt wurde. Das Dach wurde neu gedeckt, die Fassade verputzt und anstelle des Gesimses wurde eine ornamentierte Stuckleiste angebracht. Mit der Herrschaft von Franz Sigmund von Lamberg folgte der nächste Umbau, welcher dem Schloss das bis heute währende Aussehen verlieh. Es wurde ein zweites Stockwerk in Ziegelbauweise aufgesetzt, welches mit einer Holzbalustradenkonstruktion über den Hofarkaden errichtet wurde. Außerdem wurde die Gassen- und Hofarkade in hochbarockem Stil erneuert, welche man noch heute bewundern kann, da sie erst kürzlich renoviert wurde.
Das Schloss Rossatz steht heute unter Denkmalschutz. Es ist aufgrund seiner kunsthistorisch spannenden Geschichte und seinem einzigartigen Charme mit Sicherheit einen Besuch wert.