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Schloss Rossatz Wachau

Schloss Rossatz

9. August 2007

Das Ortsbild der Marktgemeinde Rossatz ist durch ein Gebäude ganz besonders geprägt, das sich inmitten des Ortes befindet und den größten Profanbau des Ortes darstellt: Schloss Rossatz.

Dieses Schloss war ursprünglich Wohnsitz der Herrschaftsfamilie und Obrigkeit. Heute  ist es Eigentum und Sitz der Agrargemeinschaft Rossatz.

Viele verschiedene Faktoren und Begebenheiten  haben im Laufe seiner langen Geschichte das Schloss in seiner Art und Gestalt verändert und geprägt.

Entstehung des Schlosses

9. August 2007

Bereits im 9.Jh. schenkte der fränkische König  das Gebiet von Rossatz dem bayrischen Benediktinerstift Metten, ein damaliges Reichskloster, dessen Vögte dann im 11.Jh. über das Stift als Eigenkloster verfügten. Die Vögte zogen also die Herrschaftsinhabung des Klosters an sich und beschränkten sich auf die Bewirtschaftung der Eigengüter.  Die Herrschaftsgerechtsame über den Rossatzer Besitz konnten die Vögte jedoch nicht lange bei sich behalten, sondern verteilten sie als Lehen an Adelsfamilien. Diese Vergaben wurden dann von den Habsburgern fortgesetzt.

Die räumliche Ausdehnung des Rossatzer Gebietes im 13. Jh. erstreckte sich in einem Ausmaß von rund 15 km², wovon heute noch cirka 80% aus Wald und Auland bestehen. Aufgrund der geringen Fläche und aufgrund der bevorzugten Rechtsstellung der Rossatzer Untertanen, die sich durch sehr geringe Abgaben auszeichnete, konnte ein Aufbau einer größeren Herrschaft nicht gelingen. Die Ursache dafür liegt in einem unzureichenden Ausmaß an Eigengründen. Aus diesem Grund mussten die Herrschenden jede Möglichkeit zur Einkunftssteigerung nutzen und verzichteten dabei nicht auf eine Steigerung der Untertanenlasten, was zu einem ständigen Spannungsverhältnis führte. Außerdem musste sich die Rossatzer Herrschaft mit den benachbarten Herrscherfamilien verbünden, etwa mit Dürnstein, Hohenegg, Ottenstein am Kamp und zuletzt Mautern. Jene Herrschaftsinhaber hielten sich aber nur zur Jagd und zur Weinlese und deren Überwachung auf Schloss Rossatz auf. Augrund dieser Umstände hielt sich die Ausstattung des Schlosses Rossatz als Herrschaftssitz eher bescheiden.

Im 13. und 14. Jh. unter der Herrschaft der Kuenringern sollten mehrere Maßnahmen erfolgen, um die Herrschaft in Rossatz zu festigen. Der Ort wurde im Bereich des Marktes ausgebaut, der Kirchenplatz wurde gebaut und auch das Herrschaftsgebäude sollte errichtet werden.

Im 16. Jh. entwickelte sich das Schloss Rossatz dann zum einzigen niederösterreichischen Landsitz der Familien Geymann und Lamberg und war für den Unterhalt der Herrschaftsinhaber zuständig. Darüber hinaus übernahm Rossatz die Versorgung der städtischen Hofhaltung Wiens mit Lebensmittel, Wein und Brennholz. So erfolgte in diesem Zeitabschnitt auch eine dem Adel würdigere  Ausstattung des Schlosses.

Die Herrschaftserträge von Rossatz sollten jedoch nie ausreichen, um den Ansprüchen einer hochadeligen Hofhaltung zu genügen, was zu hohen Verschuldungen, Verpfändungen Zwangsverwaltungen und Konkursen führte. So ersteigerte 1768 Probst Dominikus des Chorherrenstiftes Dürrnstein die Herrschaft, was aber nicht bedeutete, dass Rossatz wieder in geistlichen Besitz gelangen sollte. Die damalige Hofresolution untersagte eine Vermehrung von kirchlichen Gütern. So wurde die Herrschaft dem Grafen Schönborn-Puchheim zugesprochen, der sich bereits einen Herrschaftskomplex rund um Rossatz erkauft hatte und die Verwaltung des Schlosses nach Mautern verlegte. So war das Rossatzer Schlossgebäude funktionslos und  wurde bis heute baulich nicht mehr verändert.

Baugeschichte

9. August 2007

Über die Errichtung des Schlosses im Mittelalter sind keine direkten Quellen vorhanden, Beschreibungen aus dem 16.-18. Jahrhundert geben jedoch Hinweise auf frühere Bausphasen. Es wurden keinerlei bildliche Darstellungen oder Bauinschriften am Schloss selbst gefunden, so kann nur anhand der Bauelemente und Dekorformen eine Zuordnung zu den jeweiligen Baustilen getroffen werden. Ebenfalls aufschlussreich ist auch die Lage der Bauparzelle im Ort sowie deren Form. Ein wesentliches Merkmal eines adeligen Besitzes ist die Wehrhaftigkeit, was in Rossatz ein Problem darstellte, da hier die Voraussetzungen für die Errichtung einer Burg fehlten. Neuzeitliche Texte berichten jedoch häufig von einem „Turm“, der das Schlossdach überragte und mit einer Uhr geziert war. Dieser Turm soll sich über dem Haupteingangstor oder in der Nordwest-Ecke befunden haben. Bedeutende Mauerstärken sowie erhaltene Gewölbeformen sprechen für diese Vermutungen.

Die spätmittelalterliche Entstehungszeit des Schlosses bezeugt das gotische Zwickelmauerwerk. Die Art des Mauerwerks spricht dafür, dass das Gebäude im Mittelalter ein Obergeschoss aufwies und so die einstöckigen Gehöfte der Untertanen überragte.

Die bescheidene Gesamtbreite der Bauparzelle von Rossatz, die etwa dem Doppelten eines Hauergehöfts entsprach, spricht für die bescheidenen Anfänge der Herrschaft. Nur der Erwerb von angrenzenden Anwesen ermöglichte eine Vergrößerung des Herrschaftssitzes.

Die Anfänge der Neuzeit brachten eine große Wende in der Gestaltung der adeligen Sitze. Die Burgen wurden mit entweder modernen Bastionen ausgerüstet um sich gegen Feuerwaffen zu schützen, oder sie verloren als Wehrbauten gänzlich ihre Bedeutung und wurden als Schlösser der Renaissance entsprechend umgebaut. Auch aus Rossatz entwickelte sich ein Schlossbau. 1552 wird erstmals das so genannte „Herrenhaus“ genannt, 1580 der „Keller, Presse, Stadel, Ställe, Gärtel“. Auch der Renaissance-Arkadenbau wurde in dieser Zeit erstmals erwähnt.

Im 16. Jh. erfolgte durch Hans Christoph von Geymann der Umbau von Rossatz zu einem Renaissanceschloss. Der Nordtrakt wurde nach Osten erweitert, das Untergeschoss des Gebäudes erhob sich auf einer Balustrade toskanischer Säulen, verbunden durch einen Rundbogen und Kreuzgradgewölbe. Außerdem wurde der Arkadengang mit Malereien verziert. Dadurch sollte der Wohnbereich der Herrschaftsfamilie hervorgehoben werden, wofür zusätzlich die Tram- und Gewölbedecken, die Steinrahmungen der Fenster, das steingerahmte Rundbogentor sprechen.

Aufgrund eines Großbrandes im Jahre 1626 musste das Dach des Schlosses neu errichtet werden. Eine Beschreibung aus dem Jahr 1657 schildert erstmals ein genaueres Bild des Schlosses, welches hier als herrschaftliche Wohnstätte und Gutsverwaltung beschrieben wird. Es sollte sich nur durch Größe und entsprechender Luxuseinrichtungen von den Gebäuden der Untertanen unterscheiden.

1675/76 wurde ein großer Speicher errichtet, wodurch das Wirtschaftsgebäude umgruppiert werden musste und infolge dessen eine Generalsanierung des Schlosses durchgeführt wurde. Das Dach wurde neu gedeckt, die Fassade verputzt und anstelle des Gesimses wurde eine ornamentierte Stuckleiste angebracht. Mit der Herrschaft von Franz Sigmund von Lamberg folgte der nächste Umbau, welcher dem Schloss das bis heute währende Aussehen verlieh. Es wurde ein zweites Stockwerk in Ziegelbauweise aufgesetzt, welches mit einer Holzbalustradenkonstruktion über den Hofarkaden errichtet wurde. Außerdem wurde die Gassen- und Hofarkade in hochbarockem Stil erneuert, welche man noch heute bewundern kann, da sie erst kürzlich renoviert wurde.

Das Schloss Rossatz steht heute unter Denkmalschutz. Es ist aufgrund seiner kunsthistorisch spannenden Geschichte und seinem einzigartigen Charme mit Sicherheit einen Besuch wert.